Die Geschichte der Entstehung des heutigen Kalenders

Kalender Entstehung
Der Jüdische Kalender 6.10.3761 v. Chr.
Die Maya-Kalender 13.8.3114 v. Chr.
Der Agyptische Kalender ca. 3000 v. Chr.
Der chinesische Kalender 15.2.2636 v. Chr.
Der römische Kalender ab 753
Der Julianische Kalender 47 v. Chr.
Der Gregorianische Kalender ab 4.10.1582
Der persiche Kalender ab 1925
Diverse: islamische, orthodox, indisch, franz. Rev., lslam, usw.
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Erläuterungen:

Tropisches Jahr = Ein tropisches Jahr ist die Zeit von einer Frühlings-Tagundnachtgleiche zur nächsten, also bis die Erdachse wieder den gleichen Winkel zur Sonne hat. Dieses unterscheidet sich vom siderischen Jahr, weil die Erdachse langsam ihre Richtung ändert. Der heute gebräuchliche Gregorianische Kalender richtet sich nach dem tropischen Jahr. Kalender, die sich nach dem siderischen Jahr richten, würden eine Verschiebung der Jahreszeiten in bezug auf den Kalender erleben.

Siderisches Jahr = Ein Siderisches Jahr oder Sonnenjahr ist die Zeit, die vergeht, bis die Sonne von der Erde aus gesehen die gleiche Stellung am Himmel in Bezug auf die Fixsterne einnimmt. Das Sonnenjahr gibt somit die Umlaufdauer der Erde um die Sonne an, und wird umgangssprachlich als "Jahr" verstanden. Es dauert 365,2564 Tage, und wird durch kulturell unterschiedliche Kalender gegliedert.

Das siderische Jahr ist 20 Minuten und 24 Sekunden länger als das tropische Jahr. Der Unterschied zwischen siderischem und tropischem Jahr beruht auf der Verschiebung der Frühlingstagundnachtgleiche, die durch die Präzession der Erdachse mit einer Periode von etwa 26.000 Jahren verursacht wird.

Im Alltag und auf das Leben eines Menschen ist Unterscheidung zwischen siderischem und tropischem Jahr vernachlässigbar. Über viele Jahrtausende hinweg macht sich dieser Unterschied allerdings bemerkbar, indem die Winter- und Sommersternbilder sich verschieben.

Lunisolar = Der chinesische Kalender ist ein lunisolarer Kalender; das heißt ein Kalender, der sowohl mit dem Sonnenzyklus (Jahr), als auch mit dem Mondzyklus (Monat) korrespondiert.

Mondkalender = Der Mondkalender teilt das Jahr in Perioden ein, die gleichen Mondphasen entsprechen. Die gleiche Mondphase tritt nach jeweils ca. 29,5 Tagen wieder auf. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, haben Mondkalender meist Monate mit abwechselnd 29 und 30 Tagen. Das ergibt für ein Mondjahr mit 12 Monaten eine Länge von 354 bis 355 Tagen. Das Mondjahr ist daher um 10 bis 12 Tage kürzer als das Sonnenjahr.

Es gibt zwei Formen des Mondkalenders: Freie Mondkalender versuchten nur eine Übereinstimmung zwischen Tagen und Monaten herzustellen, gebundene oder Lunisolarkalender versuchten darüber hinaus, Monate und das Sonnenjahr in Einklang zu bringen.

In einem freien Mondkalender wandern die Jahreszeiten kontinuierlich durch das ganze Jahr. Das stellte für Nomadenvölker kein Problem dar, aber sesshafte Völker, die ihre Pflanz- und Erntezeiten planen mussten, konnten damit nur schlecht leben. Dies führte schließlich zur Entwicklung von Sonnenkalendern.

Beispiele für den freien Mondkalender sind der Römische Kalender und der Islamische Kalender.

Beispiele für den Lunisolarkalender sind der Jüdische Kalender, der Chinesische Kalender und teils der Griechische Kalender.

Der jüdische Kalender

Die Entstehungsgeschichte des Jüdischen Kalenders reicht bis in die alttestamentarische Zeit  zurück. Die jüdische Zeitrechnung geht bis ins Jahr 3761 v. Chr, womit sie als die älteste Kalendeberechnung der Welt gewertet werden kann! Wahrscheinlich wurde schon damals ein Lunisolarkalender verwendet. Die Entscheidung über das Einschalten eines 13. Monats erfolgte wohl durch die Beobachtung von Himmelserscheinungen und anhand der Reife der Saat auf den Feldern. In der Zeit vor der Babylonischen Gefangenschaft (587 bis 538 v. Chr.) trugen die Monate bis auf Ausnahmen keine Namen, sondern wurden mit Ordnungszahlen bezeichnet. Nur vier Monate trugen besondere Namen: Abib, Ziv, Bul und Ethanim[1].

 

Im Jahre 587 v. Chr. wurde Jerusalem vom Heer des babylonischen Königs Nebukadnezar II. zerstört. Die jüdische Ober- und Mittelschicht wurde nach Babylon deportiert; die babylonischen Monatsbezeichnungen standen hier Pate für die Namen der Monate des Jüdischen Kalenders. Nachdem Babylon vom persischen König Kyros II. (599 v. Chr.) niedergeworfen wurde, kehrte ein großer Teil der umgesiedelten Juden nach Jerusalem zurück, das mit seiner Umgebung einen Tempelstaat unter zunächst persischer, später ägyptischer und seleukidischer[2] Oberhoheit bildete (Zeit des 2. Tempels von 538 v. Chr. bis 70 n. Chr.).

Die Bestimmung des Monatsanfanges geschah zunächst aufgrund von Beobachtungen. Dazu trat am 30. Tag eines jeden Monats ein Kalenderrat zusammen, der die Aussagen glaub-würdiger Zeugen über die Sichtbarkeit der Mondsichel hörte. Der Tag, an dessen Vorabend die Mondsichel gesichtet wurde, wurde dann zum ersten Tag des neuen Monates erklärt. War die Sichel noch nicht zu sehen, wurde erst der nächste Tag zum ersten des Folgemonates gemacht. Die Nachricht vom Beginn des neuen Monates wurde durch Signalfeuer verbreitet. Aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. wird berichtet, daß Samaritaner falsche Feuersignale gegeben hätten, wodurch Unsicherheit in den Kalender gebracht wurde. Außerdem war es kaum möglich, die weiter entfernt (z. B. in Alexandria) lebenden Juden zu erreichen. So entstand der Brauch, Feiertage an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu begehen, um dadurch mit Sicherheit am richtigen Tage zu feiern. Nur Jom Kippur blieb wegen des Fastens von dieser Regelung ausgenommen.

Im Jahre 140 v. Chr. erreichte der jüdische Staat noch einmal seine Unabhängigkeit vom seleukidischen Reich, und um die Wende vom 2. zum 1. Jahrhundert v. Chr. entstand ein Königtum, in den bald entstehende Thronstreitigkeiten sich das erstarkende Rom zunehmend einmischte. Schließlich besetzten 63 v. Chr. römische Truppen unter Pompeius Palästina, das zum römischen Klientelstaat wurde. In dieser Zeit entstand auch der Sanhedrin (griech. Synhedrion) als höchste Instanz für innerjüdische Angelegenheiten. Bei ihm lag auch die Entscheidung über Monats- und Jahresanfänge.

 

Aus Streitigkeiten zwischen jüdischen und griechischen Bevölkerungsteilen Palästinas entwickelte sich 66 n. Chr. ein allgemeiner jüdischer Aufstand, zu dessen Niederschlagung der spätere Kaiser Verspasian entsandt wurde. In Rom entbrannte ein Bürgerkrieg um die Nachfolge des gestürzten Kaisers Nero, den schließlich Vespasian für sich entscheiden konnte (69 n. Chr.). Vespasians Sohn Titus führte den Feldzug zu Ende, Jerusalem und der Tempel wurden zerstört (70 n. Chr.).

 

Zunächst blieb der Sanhedrin verwaist, doch schon Ende des 1. Jahrhunderts entstand er unter der Leitung eines Patriarchen neu. Durch die zunehmende Zerstreuung der jüdischen Gemeinden über die ganze damals bekannte Welt wurde es notwendig, Regeln zur inneren Struktur und zum Schaltrhythmus aufzustellen, nach denen überall das Datum bestimmt werden konnte.

Besonders, als es 132 zum Aufstand unter Bar-Kochba und in dessen Gefolge zu verstärkten Repressalien kam, die eine Übermittlung der Monats- und Jahresanfänge außerordentlich erschwerten, wurden Bemühungen vorangetrieben, den Kalender in Regeln zu fassen. Gegen Anfang des 4. Jahrhunderts wurden die Monatsanfänge bereits rechnerisch bestimmt, obwohl am Brauch, Zeugen zum Erscheinen der Mondsichel zu befragen, noch festgehalten wurde. Gegen diese Berechnungen entstand innerhalb des Sanhedrin Widerstand, und ein Schreiben eines Mitgliedes des Gremiums an die jüdischen Gemeinden in Alexandria und Babylon forderte diese auf, weiterhin die Festtage an zwei Tagen zu feiern. Dieser Brauch hielt sich bei den jüdischen Gemeinden außerhalb Israels bis in die heutige Zeit.

Als unter Kaiser Konstantin (306- 337 n. Chr.) das Christentum faktisch zur Staatsreligion aufstieg, erfolgten erneute Unterdrückungsmaßnahmen gegen die jüdische Religion, deren Ausübung vollkommen verboten wurde. Sogar die Berechnung des Kalenders war untersagt. Daraufhin veröffentlichte Patriarch Hillel II. im Jahre 359 die Regeln zur Kalenderberechnung, die bis dahin geradezu als Geheimnis gehütet wurden[3]. Mit diesen Regeln wurde auch die Anordnung der Schaltjahre im 19jährigen Zyklus festgeschrieben. Die Epoche und die Einzelheiten der Neujahrsbestimmung waren noch nicht in der heutigen Form enthalten und wurden nach und nach festgelegt, bis schließlich seit dem 10. Jahrhundert der Kalender seine heutige Form hatte. Die Zählung der Jahre nach der "Erschaffung der Welt", die auf 3761 v. Chr. angesetzt wird, setzte sich erst vom 11. bis zum Anfang des 16. Jahrunderts durch. Zuvor wurden die Jahre nach der Seleukiden-Ära gezählt, die im Jahre 312 v. Chr. begann.

Im Hebräischen heißt der Kalender lu'ah.

Zeiteinteilung

Ein Tag wird in 24 Stunden (1 Stunde: sha'a) unterteilt, die aus jeweils 1080 Teilen (chalakim) besteht. Begonnen wird mit der Zählung am Tagesanfang, der für das bürgerliche Leben 18 Uhr ist.

Für religiöse Zwecke werden sowohl heller Tag als auch dunkle Nacht in jeweils zwölf Stunden geteilt, die dadurch in verschiedenen Jahreszeiten verschieden lang sind. Dadurch beginnen die Feiertage schon am Abend des vorhergehenden gregorianischen Tages.

Ermittlung des Jahresanfangs und Jüdische Weltära

Der Jahresanfang wird zyklisch berechnet. Grundlage dafür bildet die Konjunktion von Sonne und Mond, d. h. der Neumond (molad). Der Molad des Monats Tischri bestimmt neben einigen Vorschriften den Neujahrstag (rosh ha-shanah).

Die mittlere Zeitspanne zwischen zwei Moladot, der mittlere synodische Monat, wird mit 29 d 12 H 793 P (29 d 12 h 44 min 3,33.. s) angenommen. Die Epoche der Molad-Berechnung, d. h. der Zeitpunkt, ab dem die Zählung der Jahre, Monate, Tage usw. erfolgt, ist der Molad-Tischri des Jahres 1 der jüd. Weltära, auch als "Molad der Schöpfung" (molad tohu) bezeichnet. Er ist auf Sonntag, 6. Oktober 3761 v. Chr., 23:11:20 Uhr festgelegt. Dieser Zeitpunkt gehört nach der jüdischen Rechnung schon zum folgenden Tag und entspricht Montag, 5 H 204 P. Wegen der diese Zahlen beschreibenden Buchstaben wird er auch Be-Ha-Ra-D genannt. Durch fortwährende Addition der angenommenen mittleren Länge eines synodischen Monats (29 d 12 H 793 P = 29 d 12 h 44 min 33,3.. s, s. o.) kann der Molad eines jeden Monats berechnet werden. Der wirkliche Neumond kann sich wegen der sehr komplizierten Mondbewegung um bis zu 14 Stunden von diesem zyklisch errechneten Zeitpunkt entfernen, was jedoch praktisch kaum Bedeutung hat. Durch den Molad wird der Anfang eines Monats im Jüdischen Kalender festgelegt, wobei einige Vorschriften den Monatsersten um bis zu zwei Tage verschieben können. (s.u.)

Zwölf solcher Monate umfassen einen Zeitraum von 354,3713 d. Da das tropische Jahr um knapp 11 Tage länger ist, werden in einem 19jährigen Zyklus 7 Schaltjahre (shanah me'uberet) eingefügt, um den Kalender mit den Jahreszeiten in Übereinstimmung zu halten. Schaltjahre sind die Jahre, die bei der Teilung der Jahreszahl durch 19 den Rest 0, 3, 6, 8, 11, 14 oder 17 lassen. Da die Monate streng an die Mondbewegung gebunden sind, können keine einzelnen Schalttage eingefügt werden, sondern es wird im Schaltjahr ein 13. Monat eingeschoben.

Innere Struktur

Ein Jahr (shanah) kann durch die komplizierte Jahresanfangsbestimmung unterschiedlich lang sein. Ein Gemeinjahr kann 353, 354 oder 355 Tage haben, es wird dann als mangelhaftes (shanah chasera), reguläres (sh. kesidra) bzw. überzähliges Jahr (sh. shelema) bezeichnet. Entsprechend kann ein Schaltjahr 383, 384 oder 385 Tage haben, da es einen zusätzlichen Monat hat.

Ein Gemeinjahr hat zwölf Monate, ein Schaltjahr 13 Monate, deren Länge 29 oder 30 Tage beträgt. Die folgende Tabelle zeigt die Namen und Längen der Monate in den verschiedenen Jahren. In der letzten Zeile sind die Jahreslängen angegeben.

 

Die Mayakalender

Die Mayas hatten verschiedene Arten von Kalender, die teilweise auch miteinander kombiniert wurden.

Es gab einen 260-Tage-Kalender (tzolkin), der wahrscheinlich von den Olmeken übernommen wurde. In ihm werden die Tage durch Kombinationen von 13 Zahlen und 20 Namen bezeichnet. Da 13 und 20 keinen gemeinsamen Nenner haben, ist dieser Kalender erst nach 260 Tagen wieder am Ausgangspunkt. Jeder einzelne Tag hatte eine Schutzgottheit, die Einfluß auf Menschen und Ereignisse ausübte.

Dann gab es noch den Kalender, der sich nach dem Sonnenjahr orientierte (haab genannt). Dieser hatte 365 Tage mit 18 Monaten zu je 20 Tagen und zusätzlich noch 5 Unglückstagen (uayeb).

Bei der Kombination beider Kalender fand sich ein zugleich gegebener Tag im Kalender mit 260 Tagen und in dem mit 365 Tagen erst alle 18 980 Tage wieder in derselben Position vor. Das ist eine Zeitdauer von 52 Jahren und für die Präkolumbier Mittelamerikas gewissermaßen ein "Jahrhundert".

Außerdem gab es noch die sogenannte "Lange Zählung", die von einem Fixpunkt in der Vergangenheit, die Tage weiterzählt. Nach Thompson startete diese Zählung am 13.8.3114 v. Chr. (nach dem gregorianischen Kalender). Warum die Maya oder ihre Vorgänger genau dieses Datum wählten, ist noch unbekannt. Um ein Datum in der "Langen Zählung" darzustellen, wurden folgende Bezeichnungen verwandt:

1 kin  = 1 Tag

1 uinal = 20 kin = 20 Tage = 1 Maya-Monat

1 tun = 18 uinal = 360 Tage = 1 Maya-Jahr

1 katun = 20 tun = 7200 Tage

1 baktun  = 20 katun = 144.000 Tage (394,5 Jahre) 

Der ägyptische Kalender

Entstehung und Geschichte

Vor etwa 5000 Jahren etablierte sich entlang des Nils das ägyptische Königtum, das mit einigen Unterbrechungen bis kurz vor die Zeitenwende bestand. Die natürlichen Gegebenheiten begünstigten die Entwicklung der ägyptischen Zivilisation. Der Nil brachte mit seinen Überschwemmungen alljährlich fruchtbaren Schlamm auf die Felder, so daß die Versorgung mit Getreide im Großen und Ganzen ungefährdet war. Schon früh entdeckte man, daß die Überschwemmung zeitlich eng mit dem ersten Erscheinen des Sternes Sirius (ägyptisch Sopdet) am morgendlichen Himmel zusammenfiel. Dieser sog. heliakische Aufgang des Sirius fiel zur Entstehungszeit des bürgerlichen ägyptischen Kalenders wahrscheinlich mit dessen Neujahrstage zusammen. Da aber die Jahreslänge unveränderlich 365 Tage betrug, verschob sich der Kalender gegenüber der Natur um etwa einen Tag aller vier Jahre. Innerhalb von 1460 julianischen Jahren (mit jeweils 365,25 Tagen) vergingen 1461 ägyptische Kalenderjahre, und nach diesem Zeitraum, der sog. Sothis-Periode[4] , stimmte der Kalender wieder mit den natürlichen Erscheinungen überein.

Über den Zeitpunkt der Entstehung des ägyptischen Kalenders gibt es keine unmittelbaren Zeugnisse. Die Daten dreier heliakischer Aufgänge des Sirius aus den Regierungszeiten von Thutmosis III., Amenophis I. und Sesostris III. [5] sind uns überliefert. Der römische Geschichtsschreiber Censorinus erwähnte, daß im Jahre 139 n. Chr. der heliakische Aufgang der Sirius mit dem Neujahrstage des ägyptischen Kalenders zusammenfiel. Stimmt die Hypothese, daß dies auch zur Entstehungszeit des Kalenders der Fall war, dann kämen rein rechnerisch[6]  die Jahre 1322 v. Chr. oder 2782 v. Chr. oder gar 4242 v. Chr. in Frage. Natürlich kann man aus diesem Rechenexempel keineswegs darauf schließen, daß der Kalender schon im 5. Jahrtausend v. Chr. bestanden hätte.

Die Verschiebung des Kalenders gegenüber den Jahreszeiten kann zwar nicht unbemerkt geblieben sein, wurde aber über Jahrhunderte hingenommen, ohne daß ernsthafte Korrekturbemühungen überliefert sind. Erst König Ptolemaios III. Euergetes ( 246 v. Chr. - 222 v. Chr.) erließ im Jahre 238 v. Chr. das Dekret von Kanopus, in dem er die Einführung eines Schalttages alle vier Jahre vorschrieb. Doch auch nach dem Dekret bestand der ägyptische Kalender in seiner alten Form weiter, und erst der Nachfolger Cäsars, Augustus, führte um das Jahr 30 v. Chr. einen Schalttag ein.

Die Anpassung des ägyptischen Kalenders an den julianischen Kalender erfolgte, indem alle vier Jahre ein sechster Zusatztag gezählt wurde, so daß die mittlere Jahreslänge des ägyptischen Kalenders der des julianischen Kalenders entsprach. Der ägyptische Jahresanfang fiel nun stets auf den 29. August, außer in den julianischen Jahren, die einem Schaltjahr unmittelbar vorausgingen. In diesen nämlich endete das ägyptische Schaltjahr, weshalb der ägyptische Jahresanfang auf den 30. August fiel. Am 29. Februar des folgenden julianischen Schaltjahres wurde dieser Versatz wieder ausgeglichen. Dieser Kalender wird mitunter auch als alexandrinischer Kalender bezeichnet.

Zum Unglück für die Altertumswissenschaften existierte keine fortlaufende Jahreszählung. Stattdessen wurde zunächst die Viehzählung herangezogen, die alle zwei Jahre in Ägypten durchgeführt wurde. Man gab das Jahr also etwa in der Form "Jahr der 3. Zählung [unter der Regierung des Königs ...]" an, später nur kurz "Jahr des 3. Mals". Seit der 11. Dynastie, also etwa seit 2100 v. Chr., wird nur noch das Regierungsjahr angegeben. Dabei begann ein solches Regierungsjahr zunächst mit dem Neujahrstage des Jahres, in dem der König den Thron bestieg. Wenn also die Herrschaft eines Königs am 3. Zusatztag (s. u.) eines Jahres begann, so hatte sein erstes Regierungsjahr nur 3 Tage. Etwa ab der 18. Dynastie (ca. ab 1540 v. Chr.) begann man jedoch, den tatsächlichen Tag der Thronbesteigung als Beginn des Regierungsjahres aufzufassen, ein Brauch, der jedoch kurz vor der Saitenzeit (26. Dyn., um 660 v. Chr.) wieder aufgegeben wurde.

 

Innere Struktur

Das Jahr wurde in drei Jahreszeiten mit jeweils vier Monaten unterteilt, wobei jeder Monat 30 Tage hatte. Am Ende des Jahres wurden fünf Zusatztage angehängt, so daß die Jahreslänge 365 Tage betrug. Die Datierung erfolgte meist in der Form "16. Tag des 2. Monats der Überschwemmungszeit", aber die Monate tragen auch eigene Namen.

Die Namen der Jahreszeiten und Monate zeigt die folgenden Tabelle.

Interessant ist, daß sich die Monatsstruktur des ägyptischen Kalenders wohl schon sehr früh von den Mondphasen löste. Komplizierte Mechanismen zur Anpassung eines Mondkalenders an die jahreszeitlichen Erscheinungen wie etwa im Jüdischen Kalender waren daher unnötig, und das trug zu einer klaren inneren Struktur bei.

 

Der Chinesische Kalender

Es gibt zwei Chinesische Kalender:

den Sonnenkalender und den Mondkalender (Erklärungen s. S. 1).

Nach dem Sonnenkalender beginnt das Chinesische Neujahr am 4. Februar. Damit liegt der Frühjahrstag des Sonnenkalenders 45 Tage vor dem Tag, der hier im Westen als der Frühlingsanfang angesehen wird. Wenn wir das Jahr mit 365 Tagen durch die 4 Jahreszeiten teilen, erhalten wir 4x 91 Tage. 45 Tage davon liegen vor dem 21.März, während ein Tag direkt auf dem Wendepunkt liegt und 45 Tage nach dem 21.März.

Am 4. Februar geht die Sonne über den 15. Grad des Wassermannzeichens.

Die Jahre, in denen der Frühlingsanfang auf den 5. Februar fällt, sind eher selten.

Der Mondkalender richtet sich nach der Wintersolistik.

Der Chinesische Neujahrstag liegt auf dem Tag des 2. Neumondes nach der Wintersonnenwende. Die Neujahrstage, die in China gefeiert werden, liegen damit zwischen dem 21. Januar und dem 29. Februar.

Das ist der Tag der in China als Frühjahrsfest oder Frühlingsfest gefeiert wird. Im Jahr 2001 war das der 24. Januar.

Tabelle der Chinesischen Neujahrstage (nach dem Mondkalender)

2000 bis 2020

05. Februar 2000 - 23. Januar 2001  Drache         

24. Januar 2001 - 11. Februar 2002  Schlange         

12. Februar 2002 - 31. Januar 2003  Pferd         

01. Februar 2003 - 21. Jamuar 2004  Ziege         

22. Jamuar 2004 - 8. Februar 2005  Affe         

09. Februar 2005 - 28. Jamuar 2006  Hahn         

29. Jamuar 2006 - 17. Februar 2007  Hund         

18. Februar 2007 - 6. Februar 2008  Schwein         

07. Februar 2008 - 27. Februar 2009  Ratte         

28. Jamuar 2009 - 13. Februar 2010  Büffel         

14. Februar 2010 - 2. Februar 2011  Tiger         

03. Februar 2011 - 22. Jamuar 2012  Hase         

23. Jamuar 2012 - 9. Februar 2013  Drache         

10. Februar 2013 - 30. Jamuar 2014  Schlange         

31. Jamuar 2014 - 18. Februar 2015  Pferd         

19. Februar 2015 - 7. Februar 2016  Ziege         

08. Februar 2016 - 17. Jamuar 2017  Affe         

18. Jamuar 2017 - 15. Februar 2018  Hahn         

16. Februar 2018 - 4. Februar 2019  Hund         

05. Februar 2019 - 24. Jamuar 2020  Schwein         

Nach dem Mondkalender haben die Monate daher 29 bzw. 30 Tage (durchschnittlich sind es 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten) und manches Jahr hat einen 13. Monat (Regelmäßig siebenmal in 19 Jahren wird ein 13. Monat eingeschaltet. Dieser 13. Monat fällt auf die Jahre, in denen das Frühlingsfest in den Januar fällt). Diese Monate liegen nie im 11 und 12 Mondmonat sowie nie im 1 und 2ten Mondmonat.

Zeiteinteilung

Die Zeit, das heißt, die Epochen, die Jahre, Monate, Tage und Stunden werden im Traditionellen Chinesischen Denken eingeteilt nach: 

den Himmelsstämmen (tian gan)

den Erdzweigen (di zhi), den aus der sequenziellen Verbindungen entstehenden

den 60er Zyklen (von 60 Tagen, Monaten, Jahre, Epochen)und

den 6 Divisionen.

Alle Einteilungen zusammen werden für die verschiedensten Berechnungen herangezogen.

Eine Chinesische Epoche umfasst 60 Zyklen zu je 60 Jahren. Dies ergibt 3600 Jahre.

Ein großer Zyklus umfaßt 180 Jahre, das sind 3 Zyklen a 60 Jahre oder

9 Perioden à 20 Jahre.

Der gegenwärtige „große Zyklus“ begann 1864 und endet 2044.

1984 war der Beginn eines neuen 60-Jahreszyklusses, der am 3. Feb. 2044 endet oder der Beginn einer 20 Jahre Periode ( ) die im Feb. 2004 endet.

Es ist der 17.te Zyklus (60 Jahrezyklus) der zweiten Epoche (77 Zyklen) seit Beginn der Chinesischen Zeitrechnung. Damit begann die Chinesische Zeitrechnung 2636 vor Christus, und zwar am 15. Februar 2636 vor Christus.

Im Jahr 2001 fiel der 1. Januar auf den Beginn eines neuen 60 Tagezyklusses, im 17. Jahr des letzten Zyklusses, der 1984 begann (17. Zyklus) der zweiten Epoche (77. Zyklus).

Das Jahr 2001 gehörtre ab dem 24 Januar 2001 nach dem Mondkalender bzw. ab dem 4. Februar nach dem Sonnenkalender zum 18. Jahr des 60 Jahreszyklusses (xin si).

Der 01.01.2001 war zufällig auch der erste Tag des 60-Tagezyklus ein S1/B1 jia-zi Tag also ein Holz yang Ratte Tag. Da das neue Jahr aber erst am 24. 01.01 nach der chinesischen Rechnung beginnt, gehört dieser Tag aber noch zum Jahr des Drachen.

Am 24.01.2001 begann das Schlangenjahr. Aber der 24.01.2001 ist der 24. Tag des 60 Tageszyklusses, ein S4B12 ein Feuer yin Tag mit dem Schwein als Tier und der San jiao als Organ.

Der Römische Kalender

Der alte römische Kalender war ursprünglich ein von den Griechen übernommener Mondkalender. Dieser wurde je nach Bedarf in unregelmäßigen Abständen angepasst. Vor der Einführung des Julianischen Kalenders durch Cäsar herrschte im römischen Kalenderwesen eine ziemliche Unordnung. Offiziell war ein Sonnenkalender mit einer an Lunisolarkalender[7] erinnernden Schaltregel in Kraft. Ein Normaljahr hatte eine Länge von 355 Tagen, ein Schaltjahr 377 oder 378 Tage. In Schaltjahren wurde der Februar mit dem 23. Februar (dieser Tag trug die Bezeichnung Terminalia) beendet und dann ein Schaltmonat (Intercalaris) eingefügt, der 27 oder 28 Tage hatte. Normaljahre und Schaltjahre sollten abwechselnd aufeinander folgen, so daß sich für einen Zyklus von vier Jahren insgesamt die Länge von 355 + 378 + 355 + 377 = 1465 Tagen ergab. Dies ist um etwa vier Tage länger als vier tropische Jahre mit 1460,969 Tagen.

Für uns gilt es als selbstverständlich, die Tage innerhalb der Monate nach ihrer Ordnungszahl zu benennen. Im alten Rom aber wurde ein eigentümliches System angewendet, nach dem die Tage rückwärts bis zu bestimmten herausragenden Monatstagen gezählt wurden. Der erste Tag eines jeden Monats wurde als Kalenden (im Plural; lat. Kalendae) bezeichnet. Der fünfte, in den Monaten mit 31 Tagen aber der siebente Tag hieß Nonen (Nonae). Der 13. bzw. in den Monaten mit 31 Tagen der 15. Tag waren die Iden (Idus), die etwa die Monatsmitte bezeichneten. Zwischen diesen Tagen zählte man rückwärts bis zu den nächsten Kalenden, Nonen oder Iden, wobei diese Tage selbst mitgezählt wurden. Der Tag unmittelbar vor den Kalenden, Nonen oder Iden trug die Bezeichnung "pridie" anstelle des schematischen "Tag II vor den Kalenden/Nonen/Iden".

Nach dem 23. Februar begann in einem Schaltjahr der Schaltmonat Intercalaris. Er hatte 27 oder 28 Tage, je nachdem, ob es sich um ein Schaltjahr mit 377 oder 378 Tagen handelte. Mitunter wird davon ausgegangen, daß der Schaltmonat nur 22 oder 23 Tage hatte und der Februar nach dem Schaltmonat fortgesetzt wurde. Dies scheint aber wegen der Rückwärtszählung der Tage kaum möglich, denn die Tage ab den Iden des Schaltmonats hätten dann als Tage "vor dem Tag VI vor den Kalenden des März" gezählt werden müssen.

Schnell ergab sich ein merklicher Unterschied zwischen dem Kalender und den Jahreszeiten, da das römische Jahr ja um etwa einen Tag zu lang war. Daher wurden häufig willkürliche Einschaltungen vorgenommen, wobei mitunter erst wenige Tage vor den Terminalien des Februar (23. Februar) entschieden wurde, ob geschaltet werden sollte oder nicht. Da die Tage nach den Iden aber rückwärts bis zu den Kalenden des März (in Normaljahren) oder des Schaltmonats (in Schaltjahren) gezählt werden mußten, wurden in solchen Jahren die Tage bis zu den Terminalien des Februar gezählt. Der 20. Februar wurde dann mit ANTE DIEM IIII TERMINALIA (oder TERMINALIBUS? - Lateinkundige werden um Berichtigung gebeten!) bezeichnet. Durch das Einschalten von 27 oder 28 Tagen ging auch die Übereinstimmung des Kalenders mit den Mondphasen schnell verloren.

Mehrere Versuche, einen Schaltrhythmus zu finden, der eine Übereinstimmung des Kalenders mit den Jahreszeiten gewährleistet, blieben ohne Erfolg. Schließlich legten die Pontifices die Schaltungen fest, ohne daß eine definierte Schaltregel zugrunde lag. Damit war willkürlichen Schaltungen Tür und Tor geöffnet, und es wurde oft nach politischen Gesichtspunkten geschaltet.

Während des Zweiten Punischen Krieges (218 v.Chr. - Rom gegen Karthago) wurde gar nicht geschaltet - nach Kriegsende war der Kalender dem Lauf der Sonne fast vier Monate voraus. 168 v. Chr. waren von diesem "Vorsprung" noch immer 72 Tage vorhanden. Im Jahre 46 v. Chr., unmittelbar vor der Einführung des julianischen Kalenders, war der Kalender den Jahreszeiten um 90 Tage voraus.

Die Jahre zählte man seit der "Gründung der Stadt" (ab urbe condita). Gemeint ist natürlich die Gründung Roms, die meist für das Jahr 753 v. Chr. angesetzt wurde (Varronische Ära). Seltener war auch eine Zählung in Gebrauch, die die Gründung Roms ein Jahr später ansetzt (Kapitolinische Ära).

Die Wirren im römischen Kalender wurden durch die Einführung des durch den alexandrinischen Astronomen Sosigenes erarbeiteten julianischen Kalenders beendet. Zur Schaltregel, Jahreszählung und Jahresanfängen siehe julianischer Kalender.

Hier soll noch kurz auf die Anpassung der Tageszählung an den neuen Kalender und die neue Schaltregel eingegangen werden. Das römische System der Tagesbezeichnung wurde prinzipiell beibehalten, jedoch änderte sich in den meisten Monaten die Numerierung der Tage nach den Iden. Im Unterschied zum bisherigen römischen Kalender wurde in Schaltjahren nun nicht mehr ein ganzer Monat eingefügt, sonder lediglich ein einzelner Tag. Diesen schob man nach dem 24. Februar, dem römischen ANTE DIEM VI KALENDIS MARTII, als ANTE DIEM BIS VI KALENDIS MARTII, also zweiten Tag VI vor den Kalenden des März ein.

Die Schaltregel wurde nach Cäsars Tod von den Pontifices falsch interpretiert, und man machte jedes dritte Jahr zu einem Schaltjahr. Cäsars Nachfolger Augustus korrigierte diesen Fehler, indem er die fälligen Schaltjahre solange ausließ, bis die überzähligen Schaltungen korrigiert waren. Seit dem Jahr 8 n. Chr. wurde der julianische Kalender entsprechend den von Sosigenes festgesetzten Regeln angewendet.

Der Julianische Kalender

Die Einführung dieses Kalenders beendete eine Zeit höchster Unordnung im Kalenderwesen des Römischen Reiches. Der bis dahin gültige Kalender hatte zwar das tropische Jahr zur Grundlage, allerdings wurde der Monatsanfang beim Erscheinen des Neumondes verkündet. Vier aufeinanderfolgende Jahre hatten Längen von 355, 377, 355 und 378 Tagen, also insgesamt 1465 Tage. Vier Sonnenjahre haben aber nur etwa 1461 Tage, weshalb der Kalender bald vom Laufe der Jahreszeiten abwich und durch willkürliche Einschaltungen letztlich vollkommen in Unordnung geriet. Im Jahre 47 v. Chr. wich der Kalender von der Natur um etwa 3 Monate ab.

 Julius Cäsar (ca. 100 – 44 v. Chr.) beauftragte angesichts dieser Unordnung den alexandrinischen (griech.) Astronomen Sosigenes mit der Ausarbeitung eines handhabbaren Kalenders. Die wichtigste Neuerung war die Einführung der Schaltregel: Auf drei Gemeinjahre mit jeweils 365 Tagen sollte ein Schaltjahr mit 366 Tagen folgen. Damit wurde die Bindung der Monate an die Mondphasen vollkommen aufgegeben, und die Monate erhielten 30 bzw. 31 Tage, mit Ausnahme des Februars, der wegen der in diesem Monat liegenden Gedenktage an die Verstorbenen nicht verändert wurde. In Schaltjahren fügte man hinter dem 24. Februar den Schalttag ein. In der eigentümlichen römischen Zählweise der Monatstage wurde der 24. Februar als "Tag VI vor den Kalenden des März" (ante diem VI Kal. Martii) bezeichnet. Der Schalttag hieß daher "zweiter Tag VI vor den Kalenden des März" (ante diem bis VI Kal. Mar.), was sich bis heute im französischen année bissextile für Schaltjahr erhalten hat. Um die Abweichung des Kalenders von den Jahreszeiten zu korrigieren, wurden bei der Einführung zwei Schaltmonate eingefügt, wodurch ein Jahr mit 445 Tagen, das annus confusionis, entstand.

 Nach Cäsars Tod wurde wegen einer fehlerhaften Interpretation aller drei Jahre geschaltet, weshalb Cäsars Nachfolger Augustus  (31 v. Chr. - 14 n.Chr.) durch den Entfall fälliger Schaltjahre den Fehler korrigierte.

 Die Zählung der Jahre erfolgte "nach der Gründung der Stadt" (ab urbe condita), die im Jahre 753 v. Chr. angenommen wurde. Nach der Reform durch Augustus war das römische Jahr 761 ein Schaltjahr. Es entspricht dem Jahre 8 n. Chr., und es ist eigentlich Zufall, daß genau die durch vier teilbaren Jahre Schaltjahre sind.

 Die Jahreszählung "nach Christi Geburt" wurde im 6. Jahrhundert von dem Mönch Dionysius Exiguus vorgeschlagen und setzte sich auf Urkunden erst seit dem 9. Jahrhundert durch.

 Der Julianische Kalender blieb bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch. Die Orthodoxen Kirchen begehen verschiedene ihrer Hochfeste noch heute nach dem Julianischen Kalender. Gegenüber dem römischen Kalender hat sich lediglich die Bezeichnung der Monatstage geändert. Bereits im Mittelalter ging man dazu über, die Tage im Monat einfach durchzunumerieren.

 Jahresanfänge

Der für uns selbstverständlich erscheinende Jahresbeginn mit dem 1. Januar wurde schon im Römischen Reich eingeführt. Trotzdem kamen im Mittelalter, besonders wegen der von der Kirche nicht gern gesehenen heidnischen Bräuche zur Feier des Jahreswechsels, verschie-dene andere Stile auf, die im folgenden kurz beschrieben werden sollen.

Circumcisionsstil

Dies ist der Jahresanfang am 1. Januar. Da schwer gegen diesen Jahresanfang anzukommen war, legte man im 7. Jahrhundert das Fest der Beschneidung (circumcisio) Christi auf den 1. Januar. Im bürgerlichen Leben wurde nie wirklich von diesem Jahresbeginn abgegangen, obwohl in Kanzleien und Schreibstuben häufig andere Stile zur Datierung von Urkunden benutzt wurden. Für die Datierung von Urkunden setzte sich dieser Jahresanfang allgemein erst mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders durch. Die päpstliche Kanzlei datierte seit 1621 Breven, seit 1691 auch Bullen nach diesem Stil. Der Übergang von anderen Jahres-anfängen zu diesem erfolgte u. a. 1563 in Frankreich, 1575 in den Niederlanden und im Bistum Genf, in Florenz und Pisa 1749, in England gleichzeitig mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders im gesamten Großbritannien 1753, schließlich in Trier während des 30jährigen Krieges.

Weihnachtsstil

Die Geburt Christi wird mit dem Weihnachtsfest begangen, weshalb der Jahresanfang auf den 25. Dezember des - nach der heutigen Rechnung - vorigen Jahres gelegt wurde. In Deutschland ist der Weihnachtsanfang am dauerhaftesten angewendet worden. Kaiserliche Urkunden wurden bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts fast ausschließlich nach diesem Stil datiert. Unter den deutschen Königen von Philipp von Schwaben bis Konrad IV. wurde öfter vom Weihnachtsanfang abgewichen, wohl unter dem Einflusse des in Italien verbreiteten Annuntiationsstils. Seit Rudolf I. konkurrieren Weihnachts- und Circumcisionsstil.

Weitere Gebiete, in denen der Weihnachtsanfang gebraucht wurde, waren die Länder des Deutschen Ordens, die spanischen Niederlande (etwa das heutige Belgien), in denen der Circumcisionsstil durch Verordnung im Jahre 1575 eingeführt wurde, und England, in dem im 13. Jahrhundert der Weihnachtsanfang dem 25.-März-Anfange weichen mußte. In Spanien gebrauchte man den Weihnachtsanfang von 1350 (Aragonien) bzw. 1383 (Kastilien) an; er löste den bis dahin üblichen Jahresanfang am 25. März ab. 1556 wurde der 1.-Januar-Anfang eingeführt.

In den Urkunden der Bistümer herrschte in Deutschland ebenfalls der Weihnachtsstil vor, obwohl es einige Abweichungen gegeben hat (Trier, Münster).

Annuntiationsstil

Hier beginnt das Jahr mit dem 25. März, dem Tage der mit der Verkündigung (annuntiatio) an Maria angenommenen Empfängnis Jesu. Konsequenterweise müßte der Jahresanfang also am 25. März des - wiederum nach heutiger Rechnung - vorhergehenden Jahres sein, da die Empfängnis Jesu unmöglich nach der Geburt Jesu stattgefunden haben kann. Jedoch nur in Pisa und einigen wenigen weiteren Gebieten folgte man dieser Betrachtung (calculus Pisanus), während man in Florenz die Tage bis zum 24. März dem vorhergehenden Jahre zuordnete (calculus Florentinus). In Pisa begann das Jahr 1405 "der Fleischwerdung" am 25. März 1404 unserer Rechnung und endete am 24. März 1405, während in Florenz am 25. März 1404 erst das Jahr 1404 begann. In beiden Städten wurde der 25.-März-Anfang erst 1749 abgeschafft. Der Annuntiationsstil hat den großen Nachteil, daß in eines seiner Jahre zwischen keinem und zwei Ostersonntage fallen können.

 In Deutschland war dieser Jahresanfang in der Erzdiözese Trier (seit dem 12. Jahrhundert) bis zum 30jährigen Krieg üblich, in Luxemburg und Lothringen galt er bis zu seiner Abschaffung durch Verordnungen 1575 bzw. 1579.

 In England kam der Jahresanfang mit dem 25. März im 13. Jahrhundert auf, vielleicht durch normannischen Einfluß. Erst 1752 wurde er zugunsten des Januar-Anfanges abgeschafft. Die Umstellung auf den 1. Januar als Jahresanfang und auf den Gregorianischen Kalender führte 1752 zu Unruhen im Königreich. Schließlich wurde erst das Jahr 1751 um fast drei Monate gekürzt (denn es hätte ja erst am 24. März statt schon am 31. Dezember geendet), und im folgenden Jahr wurden wieder elf Tage weggelassen, als nach dem 2. September der 14. September folgte.

 Die päpstliche Kanzlei datierte von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zum Ende des 13. Jahrhunderts nach dem calculus florentinus, wandte aber zwischenzeitlich (unter den Päpsten von Urban II. bis Lucius II.) auch den calculus Pisanus an. In Frankreich fand der Annuntiationsstil lediglich unter den ersten Capetingern (also seit dem Ende des 10. Jahrhunderts) bis ins 12. Jahrhundert hinein Anwendung, wurde dann aber vom Osteranfang verdrängt. Im schweizerischen Bistum Lausanne datierte man bis ins 16. Jahrhundert hinein nach dem Annuntiationsstil.

 Ostern

In dieser Rechnung begann man das Jahr mit dem Ostersonnabend, es gab aber auch abweichende Varianten, in denen das Jahr am Karfreitag begonnen wurde (z.  B. in Flandern und Brabant). Der Jahresanfang konnte auf 35 verschiedene Tage fallen, weshalb Daten innerhalb eines Jahres zweimal auftreten konnten, die dann mit dem Zusatz "vor Ostern" oder "nach Ostern" bezeichnet wurden.

 Hauptsächlichstes Verbreitungsgebiet des Osteranfanges (mit dem Ostersonnabend) war Frankreich. Hier begann man unter dem König Philipp I. (r. 1059/60-1108), Datierungen nach diesem Stile vorzunehmen. Erst 1563 wurde der Osteranfang zugunsten des 1.-Januar-Anfanges offiziell abgeschafft. In Deutschland verwendete nur die Erzdiözese Köln den Osteranfang. Hier wurde er bereits 1310 durch den Weihnachtsanfang ersetzt. In den Niederlanden galt der Osteranfang in Flandern, Brabant und dem Hennegau, in der Schweiz nur in den Bistümern Genf (von etwa 1220 bis 1305) und Sitten (von etwa 1200 bis etwa 1250). In beiden Bistümern wurde der Osteranfang vom Weihnachtsanfang gefolgt.

Märzstil

Der Jahresanfang am 1. März war der ursprünglich in Rom herrschende. Januar und Februar wurden zum Vorjahre (nach heutiger Rechnung) gezählt. In der Republik Venedig galt dieser Jahresanfang bis zu ihrem Ende im Jahre 1797, in Rußland bis ins 14. Jahrhundert.

Septemberstil

Der 1. September ist der Jahresanfang des griechischen bzw. byzantinischen Kalenders und wurde von Rußland seit dem 13. Jahrhundert übernommen. Nach dieser Zählung entsprach der 31. August 1522 unserer Rechnung dem 31. August 7030 "nach der Erschaffung der Welt", während der 1. September 1522 als 1. September 7031 gezählt wurde. Dieser Jahresanfang wurde in Rußland am 1. Januar 1700 durch den Januaranfang und die christliche Jahreszählung abgelöst.

Durch die von Sosigenes erarbeitete Schaltregel hatten vier Jahre insgesamt 3 · 365 + 366 = 1461 Tage, woraus eine durchschnittliche Jahreslänge von 1461 / 4 = 365,25 Tagen resultiert. Das tropische Jahr ist aber um etwa 11 Minuten kürzer, diese Differenz summierte sich im Laufe der Jahrhunderte zu zehn Tagen im 16. Jahrhundert. Anschaulich gesagt, bewegte sich der Jahresbeginn am 1. Januar langsam in Richtung Frühjahr.

Zur Zeit beträgt der Versatz zwischen Julianischem und Gregorianischem Kalender 13 Tage. Da einige Orthodoxe Kirchen ihre Hochfeste nach dem Julianischen Kalender begehen, fällt deren Weihnachtsfeiertag im Gregorianischen Kalender auf den 7. Januar des Folgejahres.

 

Der Gregorianische Kalender

Die Differenz zwischen Julianischem Kalender und den Jahreszeiten betrug im 16. Jahrhundert zehn Tage. Diese Differenz führte zur Ausarbeitung einer Kalenderreform, die durch Papst Gregor XIII. verkündet wurde. Danach sollte der dem 4. Oktober 1582 folgende Tag der 15. Oktober 1582 werden. Der Ablauf der Wochentage blieb hiervon unberührt. Die Schaltregel wurde dahingehend geändert, daß alle nicht durch 400 teilbaren vollen Jahrhundertjahre keine Schaltjahre sein sollten. Die Jahre 1700, 1800, 1900 und 2100 wurden nun Normaljahre, während 1600 und 2000 Schaltjahre blieben. Damit haben 400 Jahre insgesamt 146.097 Tage, wodurch eine mittlere Jahreslänge von 146097/400 = 365,2425 entsteht. Der noch vorhandene Fehler gegenüber der wirklichen Jahreslänge beträgt erst in über 3.000 Jahren einen Tag.

Schließlich wurde verfügt, daß der Gregorianische Kalender keine rückwirkende Gültigkeit erhalten solle.

Einführung des Gregorianischen Kalenders

Der neue Kalender wurde zu dem vom Papst dekretierten Termin nur in Spanien, Portugal und dem größten Teil Italiens eingeführt. Die übrigen katholischen Länder Europas folgten 1583 und 1584. Die protestantischen Länder Deutschlands weigerten sich zunächst, den neuen Kalender einzuführen und blieben noch bis 1700 beim Julianischen Kalender, als der sog. verbesserte Kalender eingeführt wurde, der sich vom Gregorianischen Kalender durch die Berechnung des Osterfestes unterschied. Erst seit 1776 bestimmen evangelische und katholische Christen Ostern auf die gleiche Weise. Eine kurze Übersicht über die Einführung des neuen Kalenders zeigt die Zeitpunkte der Umstellung in verschiedenen Ländern und Gebieten.

Vollkommen entglitten ist die Kalenderumstellung zeitweilig in Schweden. Das Jahr 1700, das nach dem in Schweden noch geltenden Julianischen Kalender ein Schaltjahr war, wurde zum Normaljahr, ohne daß jedoch die zum Ausgleich gegenüber dem Gregorianischen Kalender notwendigen zehn Tage ausgelassen wurden. Im Ergebnis war der Kalender in Schweden dem Julianischen um einen Tag voraus und zehn Tage hinter dem Gregorianischen Kalender her.

Im Jahre 1712 wurde wieder an den Julianischen Kalender angeglichen, indem man einen 30. Februar einschaltete. Erst weitere 41 Jahre später, 1753, stellte Schweden auf den neuen Stil um.

Die osteuropäischen Länder behielten den alten Stil bis ins 20. Jahrhundert bei. In Teilen Russlands + Finnland (seit 1809) und seit 1815 Polen, war schon der Gregorianische Kalender eingeführt, während im eigentlichen Rußland der Julianische Kalender erst 1700 durch Peter den Großen eingeführt worden war. Zuvor galt hier eine eigene Jahreszählung "seit der Schaffung der Welt", die auf das Jahr 5509 v. Chr. angesetzt worden war. Das Jahr begann mit dem 1. September. Die Umstellung auf den Julianischen Kalender geschah, indem man auf den 31. Dezember 7208 den 1. Januar 1700 folgen ließ.

Schließlich wurde im Osmanischen Reich bzw. der Türkei der islamische Kalender gebraucht, der in der Türkei 1926 dem Gregorianischen Kalender weichen mußte.

Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender bzw. den Verbesserten Kalender

Angegeben sind jeweils der letzte Tag im Julianischen und der erste im Gregorianischen Kalender.

Italien[8], Spanien, Portugal, kath. Polen          4. / 15. Okt. 1582 

Frankreich, Lothringen                                       9. / 20. Dez. 1582 

Holland, Brabant, Flandern                               21. Dez. 1582 / 1. Jan. 1583 

Bistum Lüttich                                                        10. / 21. Feb. 1583  

Bistum Augsburg                                                 13. / 24. Feb. 1583 

Bistum Trier                                                                        4. / 15. Okt. 1583 

Bayern, Bm. Freising, Eichstätt,

Regensburg, Salzburg, Brixen                                     5. / 16. Okt. 1583 

österr. Oberelsaß, Breisgau                              13. / 24. Okt. 1583 

Bistum Basel                                                          20. / 31. Okt. 1583 

Herzogtum Jülich-Berg                                      2. / 13. Nov. 1583 

Ebm. Köln, Stadt Köln                                         3. / 14. Nov. 1583 

Bm. Würzburg                                                       4. / 15. Nov. 1583 

Erzbistum Mainz                                                   11. / 22. Nov. 1583 

Bm. Straßburg, Mgft. Baden                              16. / 27. Nov. 1583 

Bm. Münster, Hzm. Cleve                                   17. / 28. Nov. 1583 

Steiermark                                                              14. / 25. Dez. 1583 

Österreich, Böhmen                                            6. / 17. Jan. 1584 

Luzern, Uri, Schwyz, Zug, Freiburg,

Solothurn                                                               11. / 22. Jan. 1584 

Schlesien, Lausitz                                                12. / 23. Jan. 1584 

Ungarn[9]                                                                   22. Jan. / 2. Feb. 1584  

Herzogtum Westfalen                                         1. / 12. Jul. 1584 

Bistum Paderborn                                                 16. / 27. Jun. 1585 

Unterwalden                                                          im Juni 1587 

Ungarn[10]                                                             10. / 21. Okt. 1587 

Siebenbürgen                                                       14. / 25. Dez. 1590 

Herzogtum Preußen                                             22. Aug. / 2. Sep. 1612  

Pfalz-Neuburg                                                       13. / 24. Dez. 1615 

Herzogtum Kurland[11]                                           1617 

Bistum Osnabrück                                                1624 

Bistum Hildesheim                                                15. / 26. Mär. 1631 

Kanton Wallis                                                        28. Feb. / 11. Mär. 1655 

Fürstentum Minden                                              1. / 12. Feb. 1668 

Stadt Straßburg                                                    5. / 16. Feb. 1682 

ev. Deutschland, Dänemark, Norwegen        18. Feb. / 1. Mär. 1700 

Gelderland, Zutphen                                            30. Jun. / 12. Jul. 1700 

Utrecht, Overijssel                                                30. Nov. / 12. Dez. 1700 

Friesland, Groningen, Zürich, Bern,

Basel, Genf, Thurgau, Schaffhausen              31. Dez. 1700 / 12. Jan. 1701 

Glarus, Appenzell, St. Gallen (Stadt)               1724 

Pisa, Florenz                                                          20. Dez. 1750 / 1. Jan. 1751 

Großbritannien                                                      2. / 14. Sep. 1752 

Schweden                                                              17. Feb. / 1. Mär. 1753 

Graubünden                                                          von 1760 bis 1812 

Albanien                                                                  1913 

Bulgarien                                                                1916 

Rußland                                                                  31. Jan. / 14. Feb. 1918 

Jugoslawien                                                          14. / 28. Jan. 1919 

Griechenland                                                         15. Feb. / 1. Mär. 1923 

Griech.-Orthodoxe Kirche                                  10. / 24. Mär. 1924 

Rumänien                                                               30. Sep. / 14. Okt. 1924 

Türkei                                                                      1927 

Der Persische Kalender

Der heute im Iran und Afghanistan gebräuchliche Kalender wurde im damaligen Persien 1925 eingeführt. Afghanistan übernahm den Kalender 1957; für die Monate werden aber die arabischen Bezeichnungen für die den persischen Monaten entsprechenden Tierkreiszeichen verwendet.

Im vorislamischen Persien galt ein dem altägyptischen entsprechender Kalender, in dem sich das Jahr aus zwölf Monaten zu je 30 Tagen zusammensetzte. Fünf Zusatztage wurden zwischen dem achten und neunten Monat eingeschoben. Ab etwa dem (gregorianischen) Jahr 1000 wurden die Zusatztage nach dem letzten Monat angehängt.

Durch die unveränderliche Jahreslänge von 365 Tagen bewegte sich der Jahresanfang gegenüber den Jahreszeiten um einen Tag aller vier Jahre rückwärts. Die Folge war, daß bald Steuern verlangt wurden, bevor die Ernte reif war. Unter dem Kalifen al-Mutawakkil (Kalif 847-861) sollte der Jahresanfang (Naw Ruz) um 57 Tage verschoben werden; diese Reform wurde aber nicht verwirklicht. Im Jahre 895 wurde vom Kalifen al-Mu'tadid (Kalif 892-902) verfügt, daß der Jahresanfang um 60 Tage verschoben werden sollte und daß aller vier Jahre ein sechster Zusatztag hinzugefügt werden sollte, um den Kalender mit dem Julianischen Kalender in Übereinstimmung zu halten. Aber auch diese Reform wurde nicht umgesetzt.

Erst unter dem seldschukischen Herrscher Dshalal ad-Din Malik Shah wurde Neujahr auf das Frühjahrsäquinoktium festgelegt. Das Jahr setzte sich weiterhin aus zwölf Monaten und fünf Zusatztagen zusammen. Ein sechster Zusatztag wurde angefügt, wenn die Sonne am letzten Tag des Jahres bis Mittag nicht im Sternzeichen Widder stand. Das heißt, es wurde keine feste Schaltregel vorgesehen.

Für diese Kalenderreform hatte der Mathematiker, Astronom und Dichter Omar Chayyam eine Schaltregel ausgearbeitet, die innerhalb eines Zyklus von 33 Jahren 8 Schaltjahre vorsah. Damit wäre eine durchschnittliche Jahreslänge von 365 8/33 = 365,2424.. Jahren erreicht worden. Chayyams Vorschlag wurde jedoch nicht in die Praxis umgesetzt.

Der moderne persische Kalender hat recht komplizierte Schaltregeln, die innerhalb eines Zyklus von 2820 Jahren 683 Schaltjahre vorsehen. Damit beträgt die durchschnittliche Jahreslänge 365 683/2820 = 365,2422 Tage. Setzt man eine unveränderliche Länge des tropischen Jahres voraus, so läuft sich der übrigbleibende Fehler erst in über 2 Millionen Jahren zu einem Tag auf!

Zur Festlegung der Schaltjahre werden die 2820 Jahre eines Zyklus in 21 Unterzyklen zu jeweils 128 Jahren und einen anschließenden Unterzyklus von 132 Jahren aufgeteilt. Jeder der Unterzyklen mit 128 Jahren wird in einen Unter-Unterzyklus mit 29 Jahren, gefolgt von drei Unter-Unterzyklen mit jeweils 33 Jahren aufgeteilt. Schließlich setzt sich der 132-Jahres-Unterzyklus aus einem Unter-Unterzyklus mit 29 Jahren, zwei Unter-Unterzyklen mit je 33 Jahren und einem abschließenden Unter-Unterzyklus mit 37 Jahren zusammen.

 

Innerhalb dieser Zyklen werden die Jahre nummeriert. Schaltjahre sind diejenigen Jahre, deren Nummer innerhalb des Unter-Unterzyklus größer als 1 ist und bei Teilung durch 4 den Rest 1 läßt.

Dershowitz und Reingold zeigen in ihrem Buch Calendrical Calculations, wie diese Schaltregel wesentlich einfacher zu formulieren ist. Der Abschnitt über Jahreszyklen sei hiermit jedem Interessierten anempfohlen.

 

Diverse: Islamischer Kalender

Die Grundlage des islamischen Kalenders bildet das Mondjahr von 354 Tagen = 12 synodischen Monaten. Die Monate haben abwechselnd 30 und 29 Tage und jeder Monat beginnt 2-3 Tage nach dem Neumond. In einem 30-jährigen Zyklus werden 11 Schaltjahre zu 355 Tagen eingefügt, in denen der zwölfte Monat 30 statt 29 Tage hat.

Die Jahreszählung beginnt mit der Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina (Hedschra) am 16. Juli 622 n. Chr. (nach dem julianischen Kalender).

Die Monate heißen Muharram, Safar, Rabi’ I, Rabi’ II, Jumada I,  Jumada II, Rajab, Sha’ ban, Ramadan, Shawwal, Dhu l-Qu’dah und Dhu l-Hijja.

Indischer Kalender

In Indien gab es früher eine unüberschaubare Anzahl an unterschiedlichen Kalendern. Seit dem 22. März 1957 gibt es in Indien einen reformierten Kalender, dessen Schaltjahres-Regel dem gregorianischen  Kalender entspricht. Der 22. März ist zugleich auch der Jahresbeginn im indischen Kalender, in Schaltjahren wird dieser auf den 21. März gelegt.

Für religiöse Zwecke werden aber noch eine Reihe alter Kalenderformen weiter geführt.

Griechisch-orthodoxer Kalender

Der griechisch-orthodoxe Kalender hat die genaueste Regelung. Er unterscheidet sich vom gregorianischen Kalender dadurch, dass die Jahre, die durch neun geteilt den Rest 2 oder 6 ergeben, Schaltjahre sind.

Kalender der ersten französischen Republik

Im Jahr 1793 eingeführter Kalender mit 12 Monaten zu je 30 Tagen. Der Monat war eingeteilt in 3 Dekaden zu je 10 Tagen. Daneben gab es 5 bzw. in Schaltjahren 6 Ergänzungstage. 1806 wurde aber wieder der  gregorianische Kalender eingeführt.

Hundertjähriger Kalender

Der hundertjährige Kalender war eine von dem Arzt C. von Hellwig aus Erfurt im Jahre 1701 herausgegebene langfristige Wettervorhersage mit 100-jährigem Rhythmus. Er basierte auf den während der Zeit  von 1652-1658 vom Abt Moritz Knauer durchgeführten Wetterbeobachtungen und wurde aufgrund von Prognosen auf den  100-jährigen Zeitraum hochgerechnet. Es gibt zwar gelegentiche Wiederholungen der  Wettererscheinungen, aber eine 100-jährige Periode kommt nun mal nicht vor.

Zurück

Fußnoten:

1 zurück zum Text Im Alten Testament sind drei der Monate genannt: Ziv als 2. Monat (1. Kön. 6,1), Bul als 8. Monat (1. Kön. 6,38) und Ethanim als 7. Monat (1. Kön. 8,2).
2 zurück zum Text Im Jahre 332 v. Chr. wurde Palästina Teil des Reiches Alexanders des Großen. Nach dessen Tode (323 v. Chr.) zerfiel sein Reich in mehrere Staaten (Diadochenreiche). Unter den Nachfolgestaaten erreichte das Seleukidenreich eine gewisse Bedeutung, und Ägypten bildete bis zu seiner Angliederung an das Römische Reich einen Staat unter der Dynastie der Ptolemäer. Während des 4. und 3. Jahrhunderts v. Chr. war der Tempelstaat zwischen Ägypten und dem Seleukidenreich strittig, bis es 198 v. Chr. endgültig an das Seleukidenreich fiel.
3 zurück zum Text Daß die Veröffentlichung des Kalenders im Jahre 500 erfolgt sei, beruht höchstwahrscheinlich auf fehlerhaften Berechnungen. 
4 zurück zum Tex Sothis ist der griechische Name für Sirius. Die ägyptische Bezeichnung für den Stern lautete, da nur Konsonanten geschrieben wurden, "spdt", während die Vokale aufgrund sprachwissenschaftlicher Vergleiche (z. B. mit der koptischen Sprache) ergänzt werden müssen. Die Sothis-Periode ist wahrscheinlich etwas kürzer, wohl weil sich der heliakische Aufgang gegenüber dem tropischen Jahr sehr langsam verschiebt. Die Bezeichnung "Sothis-Periode" für die beschriebenen 1460 Jahre wäre demnach nicht ganz korrekt, soll hier aber trotzdem verwendet werden.
5 zurück zum Tex

Die hier verwendeten Namen und Schreibweisen der ägyptischen Könige sowie der Namen der Monate und Jahreszeiten entsprechen den herkömmlichen graecisierten Varianten. In der heute in der Ägyptologie verwendeten Transskription altägyptischer Namen lauten die Königsnamen Dhutmose, Amenhotpe und Senwosre.   

6 zurück zum Tex Indem man von 139 fortlaufend 1460 Jahre, also die Länge der Sothis-Periode, abzieht.
7 zurück zum Tex Erklärung s. Seitze 1
8 zurück zum Tex mit Ausnahmen
9 zurück zum Tex Einführung im bürgerlichen Leben
10 zurück zum Tex gesetzliche Einführung 
11 zurück zum Tex

Nachdem Kurland in den Polnischen Teilungen an Rußland gekommen war, wurde der Julianische Kalender wieder eingeführt.