Ahnenforschung

eine Sendung des WDR - Service Zeit vom 20.3.2002 - der nachfolgende Text wurde der entsprechenden Internetseite entnommen (kopiert) um Info's und Links auch zu späteren Zeitpunkten noch nachvollziehen zu können!

Wie beginnen?

Anfängern empfehlen die Genealogen, zunächst einmal Material zu sammeln, das sich im Familienbesitz findet. Das sind alte Personalpapiere, Zeugnisse, Briefe, Arbeitsbescheinigungen, Urkunden, Stammbücher, Hochzeitseinladungen, Geburts- und Todesnachrichten: eben alles, was sich mit Namen und Daten in Verbindung bringen lässt.

Als nächstes sollten Gespräche geführt werden, vor allem mit älteren Familienmitgliedern, die vielleicht schon bald sterben könnten. Denn viele Familienereignisse werden nur mündlich überliefert und sind nirgends niedergeschrieben, zum Beispiel wenn die erste Frau des Urgroßvaters schon früh gestorben ist und vielleicht von der Familie vergessen wurde. Natürlich werden auch viele Familiengeheimnisse – zum Beispiel nicht eheliche Geburten, voreheliche Schwangerschaften, Adoptionen –, die für die Ahnenreihe relevant sein können, verschwiegen oder höchstens weitererzählt, ohne dass dazu Unterlagen zu finden wären. Für die Gespräche empfiehlt es sich, einen „Fahrplan" aufzustellen, um nichts zu vergessen.

Wo geht es weiter?

Archive
Es gibt zahlreiche Archive, in denen Familienforscher fündig werden können. In erster Linie sind das Personenstandsregister, also die von Standesämtern gesammelten Daten: Geburts-, Heirats- und Todesurkunden. Rückwirkend können Unterlagen, die vor 1876 ausgestellt wurden, ohne Einschränkungen eingesehen werden. Für Unterlagen aus der Zeit von 1876 bis heute gilt: Nur Urkunden, die einen selbst betreffen, die Urkunden von Ehegatten oder Verwandten in gerader Linie (auch über Vollmachten) werden ausgehändigt.

Eine Ausnahme gilt für „rechtliche Interessen" (Familienforschung ist kein rechtliches Interesse, wohl aber Erbangelegenheiten). Personenstandsurkunden können (eingedenk dieser Einschränkungen) bei den Standesämtern formlos angefordert werden.

Über die Standesämter hinaus gibt es viele verschiedene Archive bei Kirchen und beim Staat. Genaue Adressenlisten findet man in Büchern über Familienforschung oder über das Internet. Im Rheinland zum Beispiel gibt es außer den Personenstandsregistern die von den Franzosen eingeführten Zivilstandsregister, die älter sind als die Personenstandsregister. Staatliche Archive sind in der Regel nach Bundesländern geordnet: Das Hauptstaatsarchiv für NRW befindet sich in Düsseldorf (Personenstandsarchive in Detmold und Brühl, weitere Staatsarchive in Detmold und Münster). Die Zentrale des Bundesarchivs befindet sich in Berlin.

Kirchenbücher
Wichtige Informationsquelle für Genealogen sind die Kirchenbücher: Bevor die Standesämter eingeführt wurden, war es die Aufgabe der jeweiligen Pfarrer, die Geburten, Taufen, Hochzeiten und Todesfälle zu registrieren. Kirchenbücher wurden etwa im 16. Jahrhundert eingeführt.

Die Eintragungen in die Kirchenbücher sind abhängig vom jeweiligen Pfarrer, der über die reinen Daten hinaus in vielen Fällen auch noch Berufe und andere soziale Zusammenhänge (Krankheiten, Taufpaten, Lebensweise) vermerkt hat. Die Notizen sind oft lateinisch verfasst und von Laien erst nach einiger Übung zu lesen. Kirchenbücher befinden sich entweder in den Pfarreien vor Ort oder sind zentral von Bistumsarchiven gesammelt.

Hilfe finden Familienforscher auch bei großen genealogischen Vereinen, die eigene Zeitschriften herausgeben und auch Tagungen abhalten (zum Beispiel die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde).

Weitere Quellen sind zum Beispiel alte Adressbücher (etwa ab 1800), Gerichtsunterlagen sowie Unterlagen über Haus- und Grundbesitz.

Mormonen-Archiv
Was vor 20 Jahren nur professionellen Familienforschern bekannt war, ist heute auch für Laien zu benutzen: die Archive der Mormonen. Diese Religionsgemeinschaft versucht schon seit Anfang des Jahrhunderts, die Daten aller Menschen zu erfassen. Aus diesem Grund wurden von den Mormonen Kirchenbücher und andere relevante Unterlagen in aller Welt auf Mikrofilm archiviert. Die zentrale Sammelstelle all dieser Daten befindet sich in den USA, erdbebensicher in einem unterirdischen Stollen in Salt Lake City. Der religiöse Hintergrund ist, dass Mormonen auch schon verstorbene Familienmitglieder rückwirkend taufen können, sofern ihre Daten bekannt sind. Die Datenbestände stehen aber auch Nichtmitgliedern der Kirchen zur Verfügung. Teile der verfilmten Kirchenbücher sind schon über das Internet verfügbar. Ansonsten muss man eine der zahlreichen genealogischen Forschungsstellen der Mormonen aufsuchen. Sie bestellen per Fernleihe die gewünschten Unterlagen. Die Kosten beschränken sich auf eine Aufwandsentschädigung.

Computer/Internet

Datenverwaltung
Der Computer erfüllt bei der Familienforschung unterschiedliche Aufgaben. Zunächst kann er zur Datenverwaltung genutzt werden. Dazu gibt es zahlreiche Programme. Um die gewonnenen Daten zu ordnen, kann der Familienforscher aber auch Vordrucke genealogischer Verlage nutzen, die eine systematische Auflistung ermöglichen und den Vorteil haben, auch ohne Computer verfügbar zu sein. (Beispiele: GENprofi, PC-Ahnen, PAF, GES 2000).

Datenbänke
Auf CD-ROM oder über Internet sind Datensätze verfügbar, die für genealogische Forschungen wichtig sein können.

Internet
Über die Begriffe Ahnenforschung, Genealogie, Familienforschung etc. bekommt man über Suchmaschinen eine unübersehbare Fülle an Hinweisen zur Familienforschung. Viele der Angebote enthalten Verweise auf Archive etc. und sind daher gut zu nutzen. Manche enthalten kostenpflichtige Recherchemöglichkeiten, andere sind kostenfrei. Manchmal gelingt es, einfach über Familiennamen Sucherfolge zu haben. Viele Hobbyforscher stellen die Ergebnisse ihrer Suche ins Internet und machen sie so auch für andere nutzbar.

Auftragsarbeiten
Es gibt Familienforscher und Verlage, die Ahnenforschung als Geschäft betreiben. Dort können Recherchen in Auftrag gegeben werden. Die Kosten für die Erstellung einer Familienchronik werden nach Aufwand berechnet – für mehrmonatige Recherchen in Archiven müssen schon einige tausend Mark gezahlt werden.

Alle folgenden Angaben sind nur kleine Ausschnitte aus den zahllosen Angeboten an Literatur, Datenbanken und Internetseiten zum Thema Genealogie.

Literatur:
Vor allem für Einsteiger empfehlen sich Handbücher, die neben der Vorgehensweise auch Adresslisten, Bewertungen von Computerprogrammen etc. enthalten, zum Beispiel:

Franz Josef Burghardt
Familienforschung
Hobby und Wissenschaft (mit CD-ROM)
Karl Thomas, 2000
ISBN 3-926089-06-7
Preis: 12,50 Euro

Wolfgang Ribbe, Eckart Henning
Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung
Degener, 2001
ISBN 3-7686-1062-4
Preis: 42,50 Euro

Eike Pies
Abenteuer Ahnenforschung
Das praktische Handbuch für Einsteiger und Profis
Brockhaus, 1994
ISBN 3-930132-01-X
Preis: 18,40 Euro

Die Zeitschrift „Genealogie" erscheint sechsmal im Jahr und kostet 9,20 Euro als Einzelheft oder 33,80 Euro als Jahresabo. Bezug über den Buchhandel oder:

Verlag Degener & Co.
Nürnberger Str. 27
91413 Neustadt an der Aisch
Tel. (0 91 61) 88 60 39
Fax (0 91 61) 13 78
Internet:
www.degener-verlag.com
E-Mail:
degener@degener-verlag.com

CD-ROM:

Herausgeber: Dieter Zwinger, in Zusammenarbeit mit der
Deutschen Arbeitsgemeinschaft Genealogischer Verbände (DAGV)
Familienforschung
Die COMP-GEN. Box
Preis: 25 Euro inklusive Versandkosten

Bezug über:
Dieter Zwinger
Osannstr. 24
64285 Darmstadt
Tel. (0 61 51) 4 84 68
Fax (0 61 51) 42 49 41
E-Mail:
dieter.zwinger@t-online.de

Deutsches Geschlechterbuch
Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien
Starke, 1999
ISBN 3-7980-0380-7
Preis: circa 35 Euro

Degener-CD 1
250.000 Namen und Hinweise für den Familienforscher
Degener, 1997
ISBN 3-7686-2504-4
Preis: circa 26 Euro

Internet:

www.familysearch.org (Mormonen)

www.familiengeschichte.de

www.familienkunde.de

www.genealogienetz.de

www.ahnenforschung.net

www.bundesarchiv.de

Adressen:

Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde e.V.
Unter Gottes Gnaden 34
50859 Köln
Tel. (02 21) 50 84 88
Fax (02 21) 9 50 25 05
Internet:
www.genealogienetz.de/vereine/wgff/
E-Mail:
wgff@genealogy.net

Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung
c/o Westfälisches Archivamt
Jahnstr. 26
48147 Münster
Internet:
www.westfalengen.de
E-Mail:
gesellschaft@westfalengen.de

Familienstiftung Pies-Archiv
Forschungszentrum Vorderhunsrück e.V.
Mettberg 18
45549 Sprockhövel
Tel. (02 02) 52 36 96
Fax (02 02) 52 71 78
Internet:
http://home.t-online.de/home/piesverlag
E-Mail:
piesverlag@t-online.de

(verkartete Kirchenbücher, Ortsfamilienbücher etc. aus dem Hunsrück)

Verein für Computergenealogie e.V.
c/o Arthur Teschler
Dorffeldstr. 18
48161 Münster
Internet:
http://compgen.genealogy.net
E-Mail:
compgen@genealogy.net

Deutsche Zentralstelle für Genealogie
Sächsisches Staatsarchiv Leipzig
Abteilung Deutsche Zentralstelle für Genealogie
Schongauer Str. 1
04329 Leipzig
Tel. (03 41) 2 55 55 51
Fax (03 41) 2 55 55 55
Internet:
www.genealogienetz.de/reg/DEU/dzfg-de.html

Genealogische Forschungsstellen der Kirche Jesu Christi
der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)
Carl-von-Ossietzky-Str. 5
44225 Dortmund (Brünninghausen)
Tel./Fax (02 31) 71 82 56
Internet:
http://home.t-online.de/home/GFS.Dortmund/

Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der ServiceZeit Familie vom 20. März 2002 wieder.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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